Körperbau der Spinnen


Die Spinnentiere (Arachnida) gehören ebenso wie die Insekten zu den Gliederfüßern (Arthropoda). Im Gegensatz zu ihnen haben sie jedoch nicht drei, sondern vier Beinpaare. Weltweit sind bis jetzt etwa 43.200 Arten bekannt. Es wird jedoch vermutet, dass die wahre Anzahl der weltweit bekannten Arten mindestens doppelt so hoch ist.

 

Weltweit: ca. 43.200 Arten

Deutschland: ca. 1.000 Arten

 

Zu den Spinnentieren gehören neben den bekannten Webspinnen (Araneae) auch z. B. die Milben (Acari), die Weberknechte (Opiliones) und die Skorpione (Scorpiones). Die nachfolgende Beschreibung bezieht sich auf die Ordnung der Webspinnen.

Vierfleck-Kreuzspinne
Vierfleck-Kreuzspinne

Körperbau


Der Spinnenkörper lässt sich in zwei Abchnitte einteilen: dem Vorderkörper (Prosoma) und dem Hinterkörper (Opisthosoma). Sie haben keinen sichtbaren Kopf, dieser ist im Laufe der Evolution mit dem Vorderkörper verschmolzen. Am Vorderkörper sitzten die Augen, vier Beinpaare, zwei zusätzlichen Extremitäten, die Kieferklauen (Cheliceren) und die Taster (Pedipalpen) mit den Begattungsorganen (Bulben) bei den Männchen und bei einigen Arten die Giftdrüsen. Am Hinterkörper sitzen die Spinnwarzen, die Atemorgene und die Geschlechtsorgane.


Augen


Die Augen (Ocellen) sitzen an der Oberseite des Vorderkörpers. Anders als die meisten Insekten haben Spinnentiere keine Komplexaugen, dafür aber sechs oder acht Einzelaugen die in Form, Größe und Anordnung sehr unterschiedlich sein können. Oft kann man anhand dieser Merkmale schon auf eine Familie schließen. Auf Grund der unterschiedlichen Augengrößen und -anzahl variiert auch das Sehvermögen der Spinnentiere.

Augen der Dünen-Springspinne
Augen der Dünen-Springspinne

Kieferklauen


Die Kieferklauen (Cheliceren) sitzen an einem Grundglied, das wiederum an der Vorderseite des Vorderkörpers sitzt. Sie bestehen aus einem beweglichen Scherenfinger, an dem bei vielen Arten Giftdrüsen sitzten, weshalb sie auch als Giftklaue bezeichnet werden. Sie können bei vielen Arten nach hinten eingeklappt werden, bei anderen Arten zeigen sie nach vorne und überkreuzen sich gelegentlich.


Taster


Die Taster sehen den Beinen sehr ähnlich, sie sind jedoch dünner und kürzer. Sie dienen als Tastorgane und an ihrer Spitze sitzen bei den Männchen an einem speziellen Anhang die Begattungsorgane (Bulben). Sie sind bei den meisten Arten sehr kompliziert gebaut und passen nur zum entsprechenden Geschlechtsorgan der eigenen weiblichen Art. An dem ersten Glied der Taster sitzt eine Platte (Lade), die den Mundraum abdichten und so das Herauslaufen der flüssigen Nahrung verhindern.


Beine


Anders als Insekten haben Spinnentiere vier Beinpaare die sich aus sieben Gliedern zusammensetzten: die Hüfte (Coxa), der Schenkelring (Trochanter), die Kniescheibe (Patella), die Schiene (Tibia), der "Hinterfuß" (Metatarsus) und der Fuß (Tarsus). Ein weiterer Unterschied zu den Beinen der Insekten ist ein weiteres Glied an der Kniescheibe, durch das die Spinnen mehr Beweglichkeit erlangen. Die Beine sind mit Haaren, Borsten und/oder Dornen bestückt, die Haare unterscheidet man zwischen Tasthaaren und Hörhaaren.


Spinnwarzen und Spinndrüsen


Am hinteren Ende des Hinterkörpers sitzen die Spinnwarzen. Sie sind sehr unterschiedlich gebaut und mit ihnen können die Tiere die Seide ausscheiden. Produziert wird sie mit den Spinndrüsen, die im Inneren des Hinterkörpers liegen. Sie kann, je nach Anforderung, ganz unterschiedliche Fäden produzieren, z. B. als Leimabsonderung, Gerüstfäden für den Nestbau, Signalfäden, Fangfäden oder Kokons.

Gartenkreuzspinne umwickelt ihre Beute
Gartenkreuzspinne umwickelt ihre Beute

Fortpflanzung und Entwicklung


Oft geht der eigentlichen Paarung eine lange Balz voraus, bei der das Männchen z. B. Beute als Werbegeschenk übergibt oder durch Zupfen an einem extra am Netz des Weibchens befestigten Begattungsfaden die Bereitschaft des Weibchens überprüft. Auch das "Winken" mit meist sehr auffällig gefärbten Körperteilen kann der Paarung vorrausgehen.

 

Damit es zu einer Begattung kommen kann, muss das Männchen zuvor die Begattungsorgane (Bulben>) an den Tastern mit Sperma füllen. Dazu spinnt es ein kleines Gespinst, meist in Form eines Dreiecks, das auch Spermanetz genannt wird. Dort setzt es aus der Geschlechtsöffnung einen Spermatropfen ab und nimmt es, ähnlich dem Aufziehen einer Spritze, in die Begattungsorange auf. Erst dann sucht es nach einem Weibchen und beginnt mit der Balz.

 

Bei der Paarung selbst können, je nach Art, entweder beide Begattungsorgane gleichzeitig in die Geschlechtsorgane des Weibchens eingeführt werden, oder sie kommen nacheinander zum Einsatz.

 

Die meisten Spinnenarten trennen sich nach der Paarung friedlich. Es gibt aber auch einige Arten, bei denen das Weibchen das Männchen danach als Beute ansieht und tötet.

 

Einige Wochen später, gut zu erkennen am geschwollenen Hinterleib des Weibchens, beginnt die Eiablage. Sehr viele Arten umhüllen ihre Eier mit einem mehr oder weniger großen Kokon aus Seide, was mehrere Stunden dauern kann. Die Jungspinnen schlüpfen entweder noch im selben Jahr und bleiben dann meist den Winter über im Kokon, oder die Eier überwintern. Viele Weibchen beschützten diesen Kokon oder tragen ihn mit sich herum. Auch die geschlüpften Jungtiere werden bei vielen Arten noch betreut, herumgetragen oder sogar gefüttert und nach dem Tod der Mutter dient sie nicht selten noch als Nahrungsquelle. Nach einiger Zeit, bzw. im Herbst, wenn die Jungtiere selbstständig werden oder nach einer Überwinterung, klettern sie an höher gelegene Plätze und lassen einen langen Faden aus den Spinnwarzen heraus. Dieser wird vom Wind erfasst und trägt in mitsamt der Spinne fort (auch Ballooning genannt).

 

Damit die Jungtiere wachsen können, müssen sie sich regelmäßig häuten. Sobald es soweit ist, klappt die Rückenplatte des Hinterkörpers ab und die Spinne kann aus ihrer zu klein gewordenen Haut befreien. Bis zur Geschlechtsreife geschehen diese Reifungshäutungen bis zu zehn Mal. Sollten sie zwischenzeitlich ein Körperteil verloren haben, wird das bei der nächsten Häutung ersetzt.

 

Auch nach Erlangen der Geschlechtsreife häuten sich manche Spinnen noch, eine Erneuerung verlorener Gliedmaßen ist dann aber nicht mehr möglich.

Vierfleck-Kreuzspinne - Männchen und Weibchen
Vierfleck-Kreuzspinne - Männchen und Weibchen
Jungtiere der Gartenkreuzspinne
Jungtiere der Gartenkreuzspinne

Ernährung


Die meisten Spinnen erbeuten ihre Nahrung durch Spinnennetze. Diese haben je nach Art sehr unterschiedliche Formen und Größen. Es können Haubennetze, Trichternetze, Baldachinnetze oder Radnetze sein. Letzteres ist wohl das perfekteste Netz bei den Spinnen und oft dauert die Herstellung mehrere Stunden. Es gibt aber auch Spinnen die ganz ohne Fangnetz auskommen und ihrer Beute in einem Versteck auflauern oder sie aktiv jagen und erbeuten.

Gehörnte Krabbenspinne mit Beute
Gehörnte Krabbenspinne mit Beute