Körperbau der Raupen und Puppen


Die Raupe ist das eigentliche Fressstadium des Schmetterlings. Es gibt Arten, die nur als Raupe Nahrung zu sich nehmen. Während des Wachstums häutet sich die Raupe mehrmals, meist 4 bis 5 mal. Dabei schwillt die Raupe an, bis die Haut platzt und durch Muskelbewegungen nach hinten geschoben werden kann.

Raupe des Lindenschwärmers
Raupe des Lindenschwärmers

Körperbau


Der Körper besteht aus 14 Segmenten: Kopf, 3 Brustsegmenten und 10 Hinterleibssegmenten. Am Kopf (Caput) befinden sich meist 2 bis 8 Augenpaare, die Fühler sind nur rudimentär angelegt. An der Brust (Thorax) befinden sich drei Beinpaare, mit denen die Raupen Nahrung festhalten. Auf dem Rücken befindet sich ein Nackenschild aus Chitin, seitlich davon findet man porenartige Atemöffnungen. Auch am Hinterleib (Abdomen), der nicht deutlich von der Brust getrennt ist, befinden sich Atemöffnungen und Hautausstülpungen die wie Beine aussehen und an deren Ende sich Hackenkränze befinden. Mit diesen halten sie sich während dem Fressen fest. Nur am letzten Hinterleibssegment befindet sich wieder ein echtes Beinpaar, welches man auch Nachschieber nennt. Es gibt aber mehrere Familien, die von dieser klassischen Raupenform abweichen.

 

Raupen aus der Familie der Ritterfalter (Papilionidae) haben eine Nackengabel, die sie bei Bedrohung schnell ausstülpen können und einen unangenehmen Geruch verströmen (vom Menschen nicht wahrnehmbar). Andere Raupen tragen Dornen oder Haare, die (selten) beim Menschen Hautreizungen auslösen können. Besonders bekannt ist hier die Raupe des Eichen-Prozessionsspinners (Thaumetopoea processionea).


Ernährung


Raupen ernähren sich völlig anders als die Falter. Nach dem Schlupf fressen sie meist zuerst die Eischale, danach meist Blätter, Nadeln, Blüten, Samen oder Früchte. Viele Arten sind dabei auf bestimmte Pflanzen spezialisiert und somit auf diese angewiesen. Es gibt auch Raupen, die sich räuberisch von anderen Insekten oder Algen und Flechten ernähren.

 

Einige Raupen leben in Symbiose mit Ameisen. Sie geben aus Drüsen am Rücken eine zuckerhaltige Flüssigkeit ab, die Ameisen anlockt. Die Ameisen trommeln mit ihren Beinen auf den Rücken der Raupen um die Produktion anzuregen und schützen die Raupe so auch vor Feinden. Im letzten Raupenstadium werden sie von den Ameisen in ihr Nest getragen wo sie den Geruch von Ameisen annehmen. Hier leben die Raupen jetzt als Sozialparasit, sie ernähren sich von der Ameisenbrut und lassen sich auch von den Ameisen füttern. Die süße Flüssigkeit gibt sie weiterhin ab. Später verpuppt sich die Raupe im Ameisenbau und überwintert dort.

 

Zu den am meisten genutzten Futterpflanzen gehören die Brennnesseln. Aber auch andere Sträucher und Bäume werden von vielen Raupen besiedelt:

 

Eiche und Salweide: über 100 Arten

Pappel und Birke: fast 100 Arten

Weißdorn: 65 Arten

Schlehe, Brombeere und Himbeere: 54 Arten

Rosen: 33 Arten


Lebensweise


Die meisten Raupen führen ein verstecktes Leben. Durch ihre meist grüne oder braune Färbung sind sie bestens getarnt. Manche Raupen, wie etwa die des Admirals, spinnen Blätter der Futterpflanzen zusammen um in deren Inneren zu leben und zu fressen. Manche Arten leben auch gesellig in großen Gespinsten.


Verpuppung


Ist die Raupe erwachsen, beginnt sie mit der Verpuppung, indem sie sich zum letzten Mal häutet. Bei den Tagfaltern unterscheidet man zwischen Stürz- und Gürtelpuppen. Stürzpuppen hängen frei mit einer Gespinstverankerung z. B. an einem Ast. Gürtelpuppen haben einen Gespinnstfaden um die Körpermitte mit dem sie sich an einem Zweig festmachen. Die Stürz- und Gürtelpuppen sind meistens sehr gut als trockenes Blatt getarnt und für Fressfeinde nur schwer zu finden. Manche Puppen können sogar zirpende Geräusche von sich geben, um Fressfeinde zu verwirren. Andere Schmetterlingsfamilien verpuppen sich frei am Boden oder in einem Kokon aus Seide, der sie gut vor Fressfeinden schützt.

 

Die Puppenruhe dauert meist 2 bis 3 Wochen, manche überwintern aber auch wobei sich der Falter vor dem Winter entwickelt und erst im Frühling schlüpft. Es gibt auch Puppen, die mehr als einen Winter ruhen.


Metamorphose


Schmetterlinge ändern durch die Metamorphose ihr Aussehen grundlegend. Sie haben vier Entwicklungsstadien: Ei, Raupe, Puppe und Falter. Man nennt das auch vollständige Metamorphose. Während der Puppenruhe werden die Raupenorgane durch Verdauungssäfte fast vollständig aufgelöst. Nur wenige Zellen, die während des Raupenstadiums keine Funktion haben, bleiben verschont. Aus ihnen bildet sich der Schmetterling.


Schlüpfen


Kurz bevor der Schmetterling schlüpft, färben sich die meisten Puppen dunkel. Die Puppe platzt an vorgegebenen Nähten auf und der Falter schlüpft. Bei einem Kokon zwängt sich der Falter meist durch einen vorgesehenen Deckel.

 

Sobald der Falter draußen die Puppe verlassen hat, pumpt er Blutflüssigkeit in die leeren Adern der Flügel um sie zu entfalten. Nachdem sich die Flügel vollständig entfaltet haben, verlieren die Adern ihre Funktion.