Honigbiene, Westliche Honigbiene, Europäische Honigbiene

Apis mellifera (Linnaeus, 1758)

Gattung: Honigbienen (Apis)

Familie: Bienen (Apidae)

Ohne Rang: Bienen (Apiformes)

Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)

Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)


Kennzeichen

Der Körper ist bräunlich mit hellen Streifen auf dem Hinterleib. Oft sind die ersten beiden Segmente des Hinterleibs gelb bis rötlich. Die Brust ist rötlich bis gelb behaart. Gut erkennen kann man sie an der langgezogenen und leicht gebogenen Radialzelle des Vorderflügels (siehe Bild 3). Der Giftstachel ist bei den Königinnen zu einem Legestachel umgewandelt, nur die Arbeiterinnen ist er voll ausgebildet. Die Königin wird 15 bis 18 mm lang, ihr Hinterleib ist stark verlängert. Die Arbeiterinnen werden 11 bis 13 mm lang und die Drohnen 13 bis 16 mm. Bei ihnen sind die Komplexaugen vergrößert.

Flugzeit

Man kann sie von März bis Oktober fliegen sehen.

Verbreitung

Durch die Imkerei ist die Honigbiene weltweit verbreitet.

Habitat

Man kann sie inzwischen in allen Lebensräumen antreffen.

Ernährung

Sie ernährt sich von Pollen und Nektar verschiedener Blütenpflanzen, die als Trachtquelle bezeichnet werden. Honigbienen besuchen so oft eine bestimmte Pflanze (Tracht), bis sich der Pollen- und Nektarvorrat dieser Pflanzen erschöpft hat bzw. sich ein Besuch nicht mehr lohnt. Erst dann suchen sie nach anderen Pflanzen.

Hat eine Arbeiterin eine neue Quelle ausfindig machen können, vollzieht sie im Stock einen Tanz mit dem sie andere Arbeiterinnen aufmerksam macht. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Tanz-Arten: Ist die neue Nahrungsquelle (Tracht) weniger als 100 Meter entfernt, wird ein Rundtanz vorgeführt bei dem immer wieder Proben des Nektars an andere Arbeiterinnen weiter gegeben werden. Dabei wird jedoch nicht die genaue Richtung der Quelle angegeben, die Arbeiterinnen folgen dann vielmehr einer Duftspur. Ist die Trachtquelle mehr als 100 Meter entfehrnt, wird ein Schwänzeltanz vollzogen bei dem die Biene mit ihrem Hinterleib wackelt. Hier wird eine sehr genaue Richtung und Entfernung in Bezug zum Sonnenstand angegeben. Die Arbeiterinnen können die neue Quelle auch bei bewölktem Himmel finden, denn ihre Komplexaugen erkennen die Schwinnungsrichtung des polarisierten Lichtes und so die hinter den Wolken versteckte Sonne "sehen".

Mit ihren saugend-leckenden Mundwerkzeugen nehmen die Arbeiterinnen Nektar auf, der in den Honigmagen (auch Honigblase oder Sozialmagen genannt) gelangt. Im Stock erbricht sie den größten Teil dieses Nektars um ihn an andere Arbeiterinnen weiter zu geben. Nur ein kleiner Teil dient der Eigenversorgung. Während dieser Weitergabe wandelt sich der Nektar allmählich (durch Verlust von Wasser und Zugabe von Drüsenabsonderungen der Biene) in Honig um. Dieser wird schließlich als Nahrungsvorrat in die Waben abgefüllt und verschlossen.

Pollen sammeln die Arbeiterinnen mit Hilfe ihrer Haarborsten an den Hinterbeinen. Dort drückt sie die Pollen fest um sie leichter zum Stock transportieren zu können. Mit ihnen werden vor allem die Larven ernährt.

Fortpflanzung und Entwicklung

Ein Bienenstaat kann aus bis zu 80.000 Bienen bestehen. Um diese hohe Zahl zu erreichen legt die Königin bis zu 1.500 Eier pro Tag die von den Arbeiterinnen auf die Waben verteilt werden (je ein Ei pro Wabe). Aus ihnen schlümpfen nach drei Tagen die Larven und die Arbeiterinnen versorgen sie in den ersten Tage mit einem nährstoffreichen Futtersekret aus aus ihrer Futtersaftdrüse, später mit Pollen und Nektar. Nach sechs Tagen werden die Waben von den Arbeiterinnen mit einem Wachsdeckel verschlossen und die Larven verspinnen sich in einem Kokon. Zwölf Tage später schlüpfen die jungen Bienen die sich in den ersten Tagen nur um die Reinigung der freien Zellen kümmern. Wenn nach wenigen Tagen ihre Futtersaftdrüse voll entwickelt ist, füttern sie die nächsten Larven (Brutamme). Erst ein paar Tage später beginnen sie einige kurze Orientierungsflüge in die Umgebung zu unternehmen und werden dann schließlich zu Baubiene. Die Futtersaftdrüse bildet sich zurück, dafür bildet sich eine Wachsdrüse und sie beginnen mit dem Bau neuer Wachszellen. Erst ab dem zwanzigsten Lebenstag werden sie zu Sammlerinen, wobei sie nur bei guten Wetter fliegen. Die Lebendsdauer einer Arbeiterin beträgt vier bis fünf Wochen.

Die Drohnhen entwickeln sich im Frühling aus unbefruchteten Eiern in vergrößerten Waben. Ihre Entwicklung dauert drei Tage länger. Sie sind nicht in der Lage sich selbst zu ernähren und werden von den Arbeiterinnen ständig mit Futter versorgt. Gelegentlich verlassen sie den Stock, kehren aber immer wieder zurück.

Am Ende des Frühlings bauen die Arbeiterinnen größere, nach unten gerichtete Zellen, die so genannten Weichselzellen in denen die jungen Königinnen heranwachsen. Damit aus der Larve eine Königinn und nicht eine Arbeiterin entsteht, wird sie ausschließlich mit Futtersaft gefüttert. Die Entwicklung der Königin dauert 16 Tage, fünf Tage weniger als bei den Arbeiterinnen.

Etwa eine Woche bevor die jungen Königinnen schlüpfen verlässt die alte Königin mit der Hälfte des Staates den Stock und sammelt sich als Schwarmtraube an einem Ast. Kundschafter suchen von dort aus nach einer neuen Behausung, bei wild lebenden Bienen z. B. ein hohler Baum, in dem dann der Schwarm umzieht. Königinnen können vier bis fünf Jahre alt werden und diesen Stockwechsel vollzieht sie jedes Jahr.

Die erste Jungkönigin die in dem alten Stock schlüpft ersticht als erstes alle anderen heranwachsenen Jungköniginnen. Sie wird von den verbliebenen Arbeiterinnen gefüttert. Nach etwa einer Woche verlässt sie den Stock um zum Drohnensammelplatz zu fliegen wo sie sich mit den wartenden Drohnen in der Luft paart. Der Drohnensammelplatz ist ein Platz an dem sich Drohnen aus der ganzen Umgebung jedes Jahr sammeln. Woher die Tiere diesen Ort kennen ist bis heute unbekannt. Der Hochzeitsflug kann sich in den nächsten Tagen mehrfach wiederholen. Dann verlässt die Königin den Stock erst im nächsten Jahr wieder, um mit dem Staat eine neue Behausung zu finden.

Die Drohnen, die die ganze Zeit von den Arbeiterinnen gefüttert wurden, werden nach dem Hochzeitsflug in der sogenannten "Drohnenschlacht" von den Arbeiterinnen aus dem Stock vertrieben. Nach wenigen Tagen verhungern sie.

Gefährdung und Schutz

Wie alle Bienen und Hummeln aus der Überfamilie Apoidea ist auch die Honigbiene nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt. Es ist in den letzten Jahren immer wieder zu Massensterben gekommen, bei denen ganze Bienenvölker zugrunde gingen. Als Ursache werden Krankheisterreger aber auch Insektizide vermutet.

Inzwischen ist auch bekannt das Honigbienen einheimische Wildbienen verdrängen. Es wurde festgestellt, dass sich nach Wegnahme der Honigbienenvölker die Anzahl der Wildbienen, darunter auch bedrohte Arten, innerhalb kürzester Zeit verdoppelt hat.

Besonderheiten

Der Gitfstachel der Arbeiterin hat winzige Widerhacken. Dieser wird in erster Linie zur Verteidigung des Nestes gegen andere Insekten genutzt. Bei ihnen verhacken sich die Stachel nicht. Sticht die Biene einen Menschen oder ein größeres Tier, kann sie den Stachel nicht wieder rausziehen und er bleibt zusammen mit der Giftblase in der Haut stecken. Auch nachdem die Biene den Stechapparat verloren hat, pumpt er weiter Gift in die Haut. Außerdem gibt die Biene einen alarmierenden Duftstoff ab, der weitere Bienen zur Verteidung ruft. Daher sollte man nach einem Stich schnell aber ruhig den Ort verlassen. Intensive Gerüche wie Haarspray oder Parfüm und das Schlagen nach den Bienen kann sie aggressiv machen. Das ist dann an einem schrillen Summton erkennbar und die Biene fliegt dann oft im zickzack. Ein ruhiger, gleichmäßiger Summton und ein gleichmäßiger Flug zeigen eine ruhige Biene an.

Ein Schwarm auf der Suche nach einer neuen Behausung ist friedlich und neigt nicht zum Stechen. Ist man zu diesem Zeitpunkt in der Nähe, setzten sich oft Bienen kurz auf einen. Auch diese Tiere sind dann ganz ruhig. Am besten ruft man in so einem Fall einen Imker, der den Schwarm einfängt. Auch die Polizei oder die Feuerwehr kann gerufen werden. Sie verständigen dann einen Imker.

Es gibt etwa 25 Unterarten der Honigbiene die als Bienenrassen bezeichnet werden. Sie ist jedoch die einzige Art aus der Gattung der Honigbienen in Europa.

Verwechslungsgefahr

Sie kann auf den ersten mit einigen Sandbienen wie z. B. der Gemeinen Sandbiene (Andrena flavipes) oder der Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius)  verwechselt werden. Anhand der langgezogenen und leicht gebogenen Radialzelle (Bild 4) des Vorderflügels kann man sie von anderen Bienen unterscheiden.